Radwanderung am 1. August 2015 nach Polen

Unsere Radwanderung führte uns am 1. August über ca. 30 km auch über die Grenze nach Polen. Treffpunkt war in Weißwasser und Weißkeißel. Viele waren gekommen, um an unserer Tour teilzunehmen. Das hat unsere Organisatoren sehr gefreut. Als alle beisammen waren übernahm Peter Berghof die Führung.

Auf los, geht`s los! Über einen abenteuerlichen, schwierigen und kurzen Wald- und Wiesen Weg erreichen wir den Radweg nach Łęknica. Dort wollen wir durch den Geopark im Muskauer Faltenbogen die Grube Babina mit dem Rad erkunden. Die Grube ist eine der ältesten Braunkohlegruben in Polen und heute eine Nachfolgelandschaft mit Charme sowie ein Ausflugsmagnet für Wanderer und Radfahrer.

Wir radeln bis  zum Aussichtsturm den wir natürlich auch erklimmen werden. Vorher kommen wir aber an verschiedene

Punkte vorbei die uns über die Einmaligkeit dieses Parks informieren.  Peter erklärt uns einiges über die Geschichte und dann geht es weiter. Das Wetter ist toll und auf der Plattform des Aussichtsturmes in 24 m Höhe soll man eine phantastische Sicht über den gesamten Park haben. Es stimmt man kann weit ins Land schauen.

Es ist fast Mittag und wir sind auf dem Weg zur Gaststätte in Łęknica. Vorher unternehmen wir aber noch einen Abstecher von ca. 1 km. Peter hat dort die Ruine eines ehemaligen Kraftwerkes entdeckt. Wir erfahren einiges über diese Anlage und sind überrascht, da wir noch nie etwas davon gehört haben.

Consuldierte Tschöpelner Braunkohlen- und Thonwerke GmbH

Peter Berghof fand heraus: "Bereits 1863 wurde dem damaligen Besitzer des Rittergutes Tschöpeln, dem Kommerzienrat Richter, Muskau, das Bergwerkseigentum verliehen, während mit der Förderung 1872 begonnen wurde. Mit dem Anschluss an die Eisenbahnstrecke Weißwasser-Teuplitz-Sommerfeld erfolgte eine rasante Steigerung der Braunkohleproduktion (1928 täglich 1000t). Neben dem Eigenbedarf für die Überlandenergiezentrale (Kraftwerk) und Ziegelei (250t) wurde der Rest über Bahnversand abgesetzt. Die Überlandzentrale versorgte auch Weißwasser mit Strom, der mit Dampfmaschinen und Turbinen erzeugt wurde. Leider kenne ich keinen Termin der Stilllegung, die Ruinen der Überlandzentrale konnten wir besichtigen."

Zur Alten Bahnbrücke fand Peter Berghof heraus:

Am 27. November 1871 erfolgte der erste Spatenstich zum Bau der Bahnstrecke Weißwasser - Muskau. Nach knapp einjähriger Bauzeit, am 15.Oktober 1872, konnte die 7,6 Kilometer lange Strecke eröffnet werden.

Die Verlängerung der Strecke über Teuplitz nach Sommerfeld ging am 1. Oktober 1897 bzw. am 15. Juni 1898 in Betrieb. Große Bedeutung hatte das für die an der Strecke liegenden Industriebetriebe. So wurden die Braunkohlengruben der Graf von Arnimschen Werke östlich der Neiße vom Schienenstrang berührt. Ferner die „Tschöpelner Werke AG“, die ihre Ziegelproduktion und Braunkohleförderung verdoppeln konnten. Der Schienenstrang führte auch an die Lugknitzer Dachstein- und Chamotte-werke, die Lugknitzer Möbelfabrik und das Hohlglaswerk Muskau - Lugknitz.

In der Folge der Kriegshandlungen wurden alle Muskauer Neißebrücken im Februar 1945 von der deutschen Wehrmacht gesprengt.

Durch die Festschreibung der Oder-Neiße-Grenze fallen auch die Brücken an der Neiße in polnische Trägerschaft. In den Jahren 1954/55 wurde die Eisenbahnbrücke durch polnische Firmen wieder aufgebaut. Die Bahnbrücke wurde nach dem Wiederaufbau mit einem Stacheldrahtzaun gesichert und DDR-Grenzsoldaten wurden auf dem Bahndamm bzw. unmittelbar an der Brücke auf Muskauer Seite postiert. Zugverkehr hat es nie gegeben. Nach der Einstellung des Zugverkehres auf beiden Seiten wurde am 16. Mai 2015 die ehemalige Eisenbahnbrücke als internationale Radler- und Fußgängerbrücke der öffentlichen Nutzung übergeben, als Namen kann man sich „Fischbauchbrücke“, „Blaues Wunder“ oder „Promenade von Łęknica“ aussuchen.

An die Bahnstrecke erinnert heute nur noch ein Radwanderweg, der Wasserturm in Łęknica und die Eisenbahnbrücke über die Neiße Die Brücke wurde mit europäischen Fördermitteln neu rekonstruiert und jetzt als Fahrradbrücke und Zufahrt zum Geopark genutzt. Wegen dem blauen Anstrich wird sie auch das „Blaues Wunder“ genannt. Über diese Brücke

fahren wir zurück und werden den Tag mit seinen vielen Eindrücken in guter Erinnerung behalten.

 

Magdalena Timm